Projekt in Guinea

Wer ist wertvoller, die Jungs oder die Mädchen? Ein Raunen geht durch die Klasse. Dann entsteht eine lebhafte Diskussion. Was vermittelt uns die Gesellschaft? Bin ich zufrieden und dankbar, ein Junge oder ein Mädchen zu sein?

Und schliesslich: wie sieht Gott unseren Wert als Jungs und Mädchen bzw. Männer und Frauen? Wir schlagen dazu im Schöpfungsbericht der Bibel nach, wie Gott den Menschen erschaffen hat, und lesen den Text in Französisch, der Unterrichtssprache, und in Pular, der Muttersprache der meisten Schüler.

Es begeistert mich immer wieder, welche Möglichkeiten dieser Unterricht in ‹Compétences de Vie› (Life Skills) mir bietet, meine Schüler die Sicht der Bibel auf wesentliche Lebensthemen entdecken zu lassen. Die grosse Mehrheit dieser 11-13-jährigen Schüler an einer christlich geprägten Privatschule kommen aus muslimischen Familien. Wir wollen ihnen nichts überstülpen. Wir wollen sie ermutigen, Fragen zu stellen und eigene Antworten zu finden in Bezug auf wichtige Themen, mit denen sie als Heranwachsende konfrontiert werden. Jeder ist einzigartig und hat Gaben, um sie einzubringen. Jeder braucht Freunde, aber was heisst es, ein guter Freund zu sein? Jeder möchte geliebt werden, aber wie drückt sich echte Liebe aus? Und wie liebt Gott uns? Wie gehen wir mit Gruppendruck um, und wie stärken wir unsere Fähigkeit, nein zu sagen und unseren eigenen Weg zu gehen?

Das Unterrichtsmodell, das wir benutzen, will durch solch grundlegende Fragen eine Basis legen, auf welcher dann auch das Thema der sexuellen Entwicklung und unser Umgang damit und dann auch das Thema AIDS behandelt werden. AIDS ist in unserem Land ein grosses gesellschaftliches Problem, und es ist immer noch ein ganz grosses Tabu. Unser Unterricht soll dazu beitragen, dass Heranwachsende realisieren: Für Vieles in meinem Leben trage ich selber Verantwortung. Die Schüler sollen ermutigt werden, diese Verantwortung wahrzunehmen.

Besonders am Herzen liegen mir die Mädchen. Ich möchte in ihnen ein Verstehen wecken, dass sie als Person wertvoll sind und ihr Körper ein Wunder ist, dass sie sich deshalb Sorge tragen und sich auch schützen. (Psalm 139, 14)

Was werden diese jungen Menschen schliesslich in ihrem Verhalten umsetzen? Ich weiss es nicht. Ich säe auf die Hoffnung, dass der eine und die andere sich in bestimmten Situationen an diesen Unterricht erinnern werden und Entscheidungen treffen, die sie das Gute gewinnen lassen, das Gott für sie bereit hat.

Autorin: Jenny K.

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