„Die Hochzeit dauer meist zwei, manchmal drei Tage. Die Hauptzeremonie findet unter und um ein Zelt mit vier Bananenstauden statt.“

DAS ERSTE TREFFEN: In traditionellen Hindufamilien werden die Ehen der Kinder nach wie vor mehrheitlich von den Eltern und Onkel und Tanten arrangiert. Meist ist es die Familie der Tochter, die sich in ihrem weiteren Bekanntenkreis nach potenziellen Kandidaten erkundigt. Dies geschieht grundsätzlich innerhalb der eigenen Kaste.

Sobald ein Kandidat gefunden ist, werden durch gemeinsame Bekannte die finanziellen und generellen Verhältnisse seiner Familie in Erfahrung gebracht. Wenn diese von den Eltern und deren Geschwistern als akzeptabel befunden werden, wird seine Familie zu einem ersten Treffen eingeladen.

So besucht die Familie des möglichen Bräutigams die Familie des Mädchens. Die Aufgabe des Mädchens ist es, die Gäste mit Getränken und Essen zu bedienen. Dies gibt beiden Seiten die Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern. Der junge Mann und das Mädchen haben dann oft auch noch eine kurze Zeit für sich, um sich gegenseitig Fragen zu stellen.

Nach dem Treffen werden beide gefragt, ob sie mit der Wahl des Partners einverstanden seien. Falls ja, beginnen die Vorbereitungen zur Verlobung und Hochzeit.

DIE VERLOBUNGSZEIT
Ist die Ehe von allen Beteiligten beschlossen, wird die Verlobung bekannt gegeben und die Hochzeit organisiert. Die Verlobungszeit dauert zwischen zwei Wochen und ein paar Monaten, jedoch nur selten bis zu einem Jahr. Die möglichen Hochzeitsdaten werden für Hindus von Priestern vorgegeben. So kann es sein, dass es mehrere Monate keine Hochzeiten gibt und dann innerhalb kurzer Zeit viele. In der Verlobungszeit darf sich das Paar meist sehen und besser kennen lernen, jedoch ohne physischen Kontakt.

LIEBESHOCHZEITEN
In städtischen Gebieten gibt es inzwischen zunehmend auch Liebeshochzeiten. Die jungen Leute lernen sich beim Studium in den Städten und übers Internet kennen. Da diese Verbindungen dann nicht immer innerhalb der eigenen Kaste sind, kann dies Spannungen in den Familien auslösen und sogar dazu führen, dass das Paar wegläuft und irgendwo anders heiratet. Manchmal werden sie dann später doch wieder in die Familien aufgenommen, manchmal jedoch auch nicht. Wenn aber die Eltern mit dem Partner einverstanden sind, dann organisieren sie auch die Hochzeit.

HOCHZEITSVORBREITUNGEN
Die Hochzeitsvorbereitungen werden von den Eltern beider Seiten und deren Brüdern und Schwestern gemeistert. Finanziert wird die Hochzeit grösstenteils von der Brautfamilie, aber auch durch Spenden, die bei der Hochzeit direkt gesammelt werden.

In Nepal ist es problemlos möglich, eine Hochzeit innerhalb von zwei Wochen vorzubereiten! Und eine Hochzeit mit 400 Gästen ist eine kleine Hochzeit!

UNTER BANANENSTAUDEN
Die Hochzeit dauert meist zwei, manchmal drei Tage, wobei der erste Tag ganz der Hauptzeremonie und dem Abschied der Braut von ihrer Familie gewidmet ist. Falls genügend Platz vorhanden ist, wird der erste Tag bei der Familie der Braut gefeiert. Alternativ gibt es Hotels oder spezifische Partypaläste. Für die Braut und ihre Familie ist es ein trauriger Tag, da es Tradition ist, dass die Braut nach der Hochzeit in der Familie des Bräutigams lebt. Auch wenn sie sich freut, soll sie an diesem Tag Traurigkeit zeigen.

Die Hauptzeremonie findet unter und um ein Zelt mit vier Bananenstauden statt. Dort werden nach ganz bestimmten Vorgaben durch einen Priester Anbetungsrituale für diverse Götter durchgeführt. Der Höhepunkt ist die Umrundung des Zeltes durch das Paar. Nach dieser dreimaligen Umrundung werden Braut und Bräutigam als Einheit betrachtet.

Am zweiten Tag wird dann die Braut mit einer lauten Prozession von ihrer Familie zur Familie des Bräutigams gebracht. Dort finden wieder diverse Zeremonien statt, und die Braut wird in die Familie ihres Mannes aufgenommen. Am dritten Tag ist dann noch Party mit viel Tanzen angesagt!

Das ständige Kommen und Gehen mutet uns Europäer merkwürdig an. Jeder Eingeladene kommt, wann immer es ihm passt, und geht irgendwann wieder. Er wird auf jeden Fall ein Essen bekommen. Auch gibt es keine Zeit, wo alle gemeinsam zuschauen, sondern viele sind am Reden oder Herumlaufen. Doch genau dieses Kommen und Gehen und die bunten Kleider machen die Nepali Hochzeiten lebendig!

Autorin: S. arbeitet seit sieben Jahren als Pflegeexpertin in einem medizinischen Projekt mit Lepra, Paraplegie und Geburtsfisteln in Nepal.

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