Ein Café in den Bergen

Zentralasien

2025 war ein turbulentes Jahr. In unserer Region waren wir von Kriegen und Konflikten umgeben. Der Tourismus kam nahezu zum Erliegen und die finanzielle Situation unseres Cafés war eine ständige Herausforderung. Hinzu kamen zwischenmenschliche Konflikte, die uns verunsichert haben und verwirrt zurückliessen. Schweren Herzens mussten wir mehrere Mitarbeiter des Cafés entlassen – Menschen, die für uns wie Familienmitglieder geworden sind. Wir haben uns mehr als einmal gefragt, ob wir die Türen unseres Cafés schliessen sollten.  

Doch durch die Gnade des Herrn besteht und läuft es immer noch! Trotz der Schwierigkeiten dürfen wir Fortschritte sehen: Unser Team wächst und entwickelt sich weiter. Wir kommen ständig mit neuen Kunden in Kontakt, und unser Stammkundenkreis vergrössert sich. Wir konnten für viele Menschen beten und die frohe Botschaft weitergeben. Wir danken dem Herrn für all dies und für seine Treue, die uns trägt, unabhängig davon, wie schwierig der Weg ist.   

Meine Frau und ich schauten uns oft an und sagten: «Wenn wir nicht aufgeben, wird es weitergehen!» Der Schritt in dieses unternehmerische Abenteuer hat uns mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert. Zugleich aber erlebten wir auch die Versorgung und Gnade des Herrn in besonderer Weise. 

Ein Grund weiterzumachen ist, dass Menschen dem lebendigen Gott begegnen. Im Sommer 2025 kam ein junger Mann zu uns, um als Kellner zu arbeiten. Er war neugierig, und ich hatte die Gelegenheit, ihm ausführlich das Evangelium zu erklären. Als er im Herbst an die Universität ging, schenkte ich ihm ein Neues Testament und einige Bücher. Wir sahen ihn erst an unserer Weihnachtsfeier wieder. Dort beugte er sich zu mir und erzählte, wie er, nachdem er die Bücher gelesen und den Jesus-Film eine Woche lang immer wieder angesehen hatte, im Glauben betete, während er weinte wie ein kleines Kind!   

Ein weiterer Grund, das Café offen zu halten ist, dass Menschen neue Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln. 2025 war erst unser zweites Jahr seit der Eröffnung – und dennoch stieg unser Umsatz im Vergleich zum ersten Jahr um 65%! Unser Team aus einheimischen Frauen hat beeindruckende Fortschritte gemacht.  Bevor sie bei uns anfing, hatte unsere Barista Şelalə noch nie eine Tasse Kaffee zubereitet. Jetzt serviert sie den ganzen Tag über Cappuccinos und Lattes, die «Instagram-würdig» sind. Sevinc musste kurzfristig vom Geschirrspülen zum Kochen wechseln, als unsere Hauptköchin uns verliess. Sie meisterte diese Herausforderung grossartig und brachte zwei weitere Frauen aus ihrem Dorf mit, sodass inzwischen ein starkes, eingespieltes Team entstanden ist.  

Im hinteren Teil des Cafés befindet sich ein kleines Zimmer, das zu einem Unterrichtszimmer umgestaltet wurde. Die ganze Woche kommen Kinder, Teenager und Erwachsene zu uns in den Unterricht. Für kleinere Gruppen aber auch in Einzellektionen helfen wir ihnen, ihr Englisch zu verbessern und die Furcht davor zu verlieren, in dieser Sprache zu kommunizieren. Auch zum Deutschunterricht kommen einige Schülerinnen und Schüler. Unser Traum ist, das Unterrichtsangebot weiter auszubauen. Wir möchten in Zukunft auch Instrumentenunterricht oder Kurse über Erziehung, sowie Umgang mit digitalen Medien anbieten. 

Vor kurzem haben wir begonnen, mit einigen Frauen den «Al-Massira-Kurs» zu absolvieren. Dabei erleben wir immer wieder neu: Gottes verheissenes Reich ist gegenwärtig – und der König selbst ist am Werk. 

W.

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