Ich bin in Genf geboren und habe Städte lange Zeit geliebt. Später, als ich in Paris und Dakar lebte, begann ich die Bevölkerungsdichte und all die mit Städten verbundenen Probleme weniger zu schätzen. Ich habe mir oft die Frage gestellt: Warum beginnt die Bibel mit einer Geschichte, die sich in einem Garten abspielt, und endet mit einer Stadt? Doch wie Wayne Cowpland in seinem Artikel der ersten Weltweit-Ausgabe 2025 festhielt, sind Städte strategisch wichtige Orte, um das Evangelium zu verbreiten.
Die Bedeutung der Stadt
In Städten entstehen neue Ideen und werden wichtige Entscheidungen getroffen. Sie sind Orte der Bildung und des Wandels. Patrick Johnstone betont, dass die Weltbevölkerung im 20. Jahrhundert überwiegend ländlich geprägt war. Die Missionen konzentrierten sich auf die Identifizierung der verschiedenen Völker und ihrer Sprachen. Er verdeutlicht, dass «unsere Aufmerksamkeit nun auf die Städte gerichtet ist, in denen die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung im 21. Jahrhundert lebt.» Auch fügt er hinzu, dass «Städte grossartige Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen sind. Es werden neue Kulturen und Sprachen entstehen, in denen Menschen zu Jesusnachfolgern werden können.» Warum sollte man sich also noch um die Dörfer und ländlichen Gebiete dieser Welt kümmern?
Der Einfluss des Dorfes
Mamadou wuchs in einer ländlichen Umgebung auf. In diesem Umfeld entschied er sich, Jesus nachzufolgen, weit weg von den Städten. Später führte ihn seine Arbeit in eine sehr grosse Stadt in Afrika. Seine Freunde aus Kindertagen und seine muslimische Familie übten großen Druck auf ihn aus, damit er sein neues Leben als Jünger Jesu aufgab. Aus seinem weit entfernten Dorf kamen Freunde in die Hauptstadt, um ihn zu besuchen. Mamadou musste gerettet und zu den religiösen Traditionen seiner Vorfahren zurückgebracht werden. Selbst in der Stadt war Mamadou nicht vor den Bräuchen des Dorfes gefeit.
Dieses Beispiel zeigt, dass in bestimmten Kulturen und Regionen eine sehr starke Verbindung zwischen Stadt und Dorf besteht. Die Stadt kann ein Ort der Innovation und des Einflusses sein. Sie kann sogar ein Zufluchtsort für junge Christen sein, die der Verfolgung in ihrem Dorf entfliehen wollen. Aber die Realität sieht so aus: Das Dorf findet sich in der Stadt wieder! Das Dorf ist oft der Ort, an dem Traditionen bewahrt werden. Aber die Traditionen des Dorfes bleiben auch in der Stadt präsent. Viele Stadtbewohner bleiben ihrem ländlichen Erbe verbunden.
Auch wenn Städte offensichtlich strategisch wichtige Orte für die Verkündigung des Evangeliums sind, darf man den Einfluss der Dörfer oder sogar den Widerstand gegen Veränderungen, der aus den Dörfern und ländlichen Gebieten kommt, nicht ignorieren. Die Verkündigung des Evangeliums muss daher auf beiden Ebenen erfolgen: gleichzeitig in den Städten und in den Dörfern.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Lasst uns in den Städten Zeugnis ablegen, aber lasst uns die Dörfer nicht vernachlässigen! Jesus selbst war in den Städten und Dörfern präsent. Das Bibelwort aus Lukas 8,1 sagt es ganz klar: «Jesus zog von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf. Er predigte und verkündete die frohe Botschaft vom Reich Gottes.» Im Gleichnis vom Festmahl in Lukas 14 wird dem Diener befohlen, «auf die Plätze und Strassen der Stadt» zu gehen, und da noch Platz ist, soll der Diener auch «auf die Wege und an die Zäune» gehen. Das ist der Aufruf Jesu an die Kirche: Geht von Stadt zu Stadt, geht in die Dörfer und sogar aufs Land, denn alle sollen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes hören.
Am Anfang dieses Artikels habe ich gefragt: «Warum beginnt die Bibel mit einer Geschichte, die sich in einem Garten abspielt, und endet mit einer Stadt?» Tatsächlich verbindet sogar das letzte Kapitel der Bibel Stadt und Land! Beides kommt darin vor. Jemand hat darauf hingewiesen, dass in der Offenbarung die Realitäten des Landes und der Dörfer zu finden sind. Die Bibel beginnt mit einem Garten und endet mit einer Stadt. Aber im himmlischen Jerusalem gibt es auch einen Fluss und einen Baum des Lebens, der zwölfmal im Jahr Früchte trägt (Offenbarung 22,2-3).
André Wenk
André Wenk war 15 Jahre im Senegal in der Mission tätig. Anschliessend arbeitete er sechs Jahre in Frankreich und elf Jahre in der Schweiz im Bereich der Mobilisation. Nun unterrichtet er den Kurs «Perspectives». Er ist verheiratet mit Ursula. Sie haben fünf erwachsene Kinder – alle verheiratet – und zehn Enkelkinder.