Als ich 1977 den nebenstehenden Bibelvers zum ersten Mal las, da plünderte ich mein Sparkonto und spendete die 10.000.- Deutsche Mark an ein mir bekanntes missionarisches «Startup». Der Familienrat kam zu dem Schluss, dass ich ja wohl in eine Sekte geraten sei. Für mich war damals klar: Geld kann im Reich Gottes viel mehr bewirken als auf meinem Sparkonto. Als ich 1988 zum deutschen WEC kam, da kündigte ich meine Lebensversicherung, weil mir der Gedanke der Vorsorge irgendwie fehl am Platz vorkam. Heute, 32 Jahre später, sorge ich dafür, dass unsere Mitarbeiter nicht ohne Altersvorsorge unterwegs sind. Was ist denn das jetzt mit dem Schatz im Himmel und dem richtigen Umgang mit Geld?

GEBEN UND NEHMEN
Im WEC haben wir unsere gemeinsame Einstellung zu Finanzen und Versorgung wie folgt definiert: «Gott hat den WEC in Finanzfragen so geführt, dass deutlich wird, dass Christus das volle Vertrauen für jeden Bereich unseres Lebens verdient.» (Core of WEC, Seite 6).

Hier zeigt sich das, was WEC-Mitarbeiter auf der ganzen Welt erleben: Gott ist es höchstpersönlich, der Menschen, die ihm ganz vertrauen, zu Gebenden und Nehmenden macht. Ich bekam als junger Christ aus der Bibel den Impuls zu geben. Andere hingegebene Menschen in dem missionarischen Startup wurden dadurch versorgt. Später erhielt ich die Berufung von Gott in den Missionsdienst und andere erhielten den Auftrag von ihm, dafür zu spenden. Was bei beidem für mich gleich war, ist die Freude, die ich als Gebender und als Nehmender gleichermassen erlebte. Es war für mich zutiefst beglückend, diese grosse Summe wegzugeben. Da war tatsächlich ein Hochgefühl, als wenn ich einen Schatz gefunden hätte.

GEBET UM VERSORGUNG
Weiter lesen wir in WEC’s Grundsatzerklärung: «Auf finanzielle Herausforderungen reagieren wir mit Gebet und Information, aber ohne Menschen zu bedrängen.» Gott ist der, der die Herzen seiner Kinder bewegt. Deshalb wenden wir uns mit unseren Bedürfnissen zuerst an ihn. Der Weg, Spender zu motivieren, ist nicht, ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern die Grösse Gottes vor Augen zu malen. Nur dann kann dieser Kreislauf des fröhlichen Gebens entstehen. Aber, funktioniert das wirklich?

In meiner Zeit als Geschäftsführer hatten wir schon manchen finanziellen Engpass bei dem einen oder anderen Mitarbeiter, aber es musste noch keiner vom Missionseinsatz zurückkommen, weil die Finanzen nicht gereicht haben. Bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland 2015 wurden die fünfstelligen Mehrkosten in diesem Jahr zum grössten Teil durch erhöhten Spendeneingang gedeckt. Unsere Missionskandidaten des letzten Jahres konnten schon kurz nach Beendigung der Kandidatenorientierung angestellt werden und ausreisen, weil die finanzielle Unterstützung innerhalb weniger Monate zusammengekommen war. Im Kontakt mit den neuen Gemeinden und Spendern der Kandidaten haben wir viel Freude an diesem Schätze-Sammeln im Himmel gespürt.

WAS IST VOLLES VERTRAUEN?
Nun gibt es aber doch einen Haken. Das ist die Sache mit dem vollen Vertrauen. Vertraue ich Gott, der mich auffordert, Schätze im Himmel anzusammeln, oder lass ich mich von den Bedenken des Zeitgeistes beeinflussen? Werde ich meinen Wohlstand gefährden? Werde ich im Alter ausreichend versorgt sein und was ist ausreichend? Vertraue ich Gott, der mich ohne finanzielle Sicherheit und Garantien in den Missionsdienst ruft? Werde ich meine Familie ernähren können? Werde ich finanziell scheitern?

Ich kann hier keine Antwort für Ihre Lebenssituation geben. Für mich hat es immer wieder mit Entscheidungen zu tun. Mit 20 sind mir die Entscheidungen definitiv leichter gefallen als 40 Jahre später. Aber ich kann mich immer noch faszinieren lassen von dieser Vision der angesammelten Schätze im Himmel. Auch der Gründer des WEC, Charles T. Studd, war davon so fasziniert, dass es ihm aus Gründen der Renditeerwartung wie eine Dummheit erschien, sein Geld der «Bank of England» anzuvertrauen, anstatt in das Reich Gottes zu investieren. Eine Logik, der ich mich als Glaubender schlecht entziehen kann. Zeit zur Neuorganisation ihres Portfolios?

Autor: Thomas Lange – Seit 1988 Mitarbeiter in der Eppsteiner Zentrale des WEC in Deutschland. Bis Ende 2019 als Geschäftsführer verantwortlich im Bereich Finanzen und Verwaltung für die deutschen Mitarbeiter.

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